Sterbende Helden


Die Todesnachrichten von prominenten Persönlichkeiten gehen mir in der letzten Zeit richtig nah. „Wieso sterben jetzt alle auf einen Schlag?“, frage ich mich und die Erkenntnis rammt sich wie ein Dolch in mein Herz: Ich bin in einem Alter, wo mich die Helden aus meiner Kindheit und Jugend verlassen. Darauf war ich nicht gefasst. Ich brauche sie doch noch. In meiner Erinnerung, in meinen Träumen oder als Leitbild in der Gegenwart.

 

Im schwarz-weißen Abendprogramm swingte James Last im elterlichen Wohnzimmer. Vor Christopher Lee fürchtete ich mich als Kind, wenn ich heimlich Dracula sah. Später verfluchte ich ihn als Saruman, als er für Sauron eine Armee zur Vernichtung der freien Länder Mittelerdes aufstellte. Als Pierre Brice in die ewigen Jagdgründe einging, trauerte ich um ihn wie um einen Blutsbruder.

 

Mit 16 lockte mich die Romanverfilmung der Blechtrommel ins Kino. Die Bilder kleben heute noch auf meiner Netzhaut. Als Günter Grass im April 2015 ins Grab fiel, sah ich, wie der kleine Oskar „Soll ich oder soll ich nicht?“ ihm die Blechtrommel auf den Sarg warf und zurückließ.

 

Ende 2015 schockierte uns die Nachricht vom Tod des unsterblichen Helmut Schmidt. „Oh Captain! My Captain!“ hätte ich rufen und auf unserem Esszimmertisch stehen mögen. Was er zu sagen hatte, dauerte länger als eine Zigarette.

 

2016 war gerade ein `Absolute Beginner´, da folgte David Bowie Major Tom für immer ins All. Seine Musik ist jedoch gegenwärtig geblieben. Als Starman schickt er sie zu uns auf die Erde. Und während ich seine Songs über mein Autoradio empfange, frage ich mich, ob mir noch ein echter lebender Held bleiben wird bis ich einmal sterbe?