Global Gender


In den letzten Jahren fand die optische Angleichung der Geschlechter in den westlichen Industrienationen über unisex-Kleidung und dem klassischen Dutt für Frauen und Männer in der von einem Sänger und Travestiekünstlers gelebten Kunstfigur Conchita Wurst seinen Höhepunkt: Die Verkörperung der Mischung von weiblichen und männlichen Attributen in einer Person.

Zudem beschränkt sich die Haarmode von Frau und Mann nicht mehr ausschließlich auf den Kopf: Haben sich die Frauen zunächst nur die Beine rasiert, entwickelte sich daraus die Ganzkörperrasur inklusive des eigenen sowie später auch des anderen Geschlechts.

Unsere Kinder kennen die sichtbare Körperbehaarung als sekundäres Geschlechtsmerkmal beinahe nur aus veralteten Lehrbüchern und vergilbten Kopien, die im Sexualkundeunterricht der Gegenwart noch Verwendung finden und mit „igitt“ von den Sprösslingen kommentiert werden.

Nun trägt Mann seit kurzem wieder Bart. Junge Männer mit langen Bärten – ein Anblick, an den sich Frau erst noch gewöhnen muss. Vielleicht aber auch ein stillschweigender Protest gegen die geschlechtslose Gesellschaft? Ist das „Anderssein“ nicht gerade der Reiz, zieht an und aus?

Aber schon tauchen die ersten Fotos von jungen Frauen mit behaarten Achseln auf. Ihr lasst euch den Bart wachsen? Dann lassen wir die Achselhaare sprießen. Zurück in die Achtziger mit Déjà-Vu-Faktor: Nena im Achselshirt mit freiem Blick auf die emanzipierte Behaarung.

Und die Männer legen noch eins nach: Tendenz der Bartreduktion auf den im letzten Jahrtausend legendären „Pornobalken“. Dieser stellt allerdings auch meinen Sehnerv auf eine harte Probe. Aber das ist Geschmackssache und darüber lässt sich bekanntlich nicht streiten.

 

Was ich aus all dem beobachte, ist die verzweifelte Identitätssuche der beiden Geschlechterrollen in unserer heutigen Gesellschaft. Und das ist, zugegeben, wirklich eine haarige Angelegenheit, die sich allerdings nicht durch gleiche Optik und Schaltung lösen lässt. Wie wäre es mit gleicher Achtung und Würdigung?