latte macchiato


 

Meine Finger spielen mit den warmen Münzen in meiner Hosentasche. Die Auswahl fällt mir nicht schwer, ich nehme das Gleiche wie er. Unser heimliches Ritual. Jeden Donnerstag in der Mittagspause treffen wir uns am Getränkeautomaten in der Caféteria. Mein absolutes Highlight der Woche. Der einzige Grund, weshalb ich überhaupt noch zur Schule gehe.

 

Wie eine Offenbarung unsere erste Begegnung. Sein durchdringender Blick, wie ein Magnet. Splitterfasernackt bis in die letzte Gehirnwindung. Sein Lächeln, das alles zu wissen scheint. Zuckerwatte, an der ich klebe. Noch am selben Tag entfernte ich all die albernen Starposter von der Wand. Die Realität hatte mich eingeholt. Alles sternenklar.

 

Schritte hinter mir. Ich drehe mich um und drücke die Taste, blind. Der Becher fällt, wird gefüllt. Es riecht sonderbar.

 

»Hallo Mona, heute mal Ochsenschwanzsuppe?«, lacht er.

 

Sprachlos starre ich auf die dunkelbraune Brühe.

 

»Frank, kannst du mir auch einen Latte Macchiato mitbringen?«, höre ich Frau Michels Stimme aus dem Lehrerzimmer, »die Zeugniskonferenz beginnt gleich!«